Die Idee bekommt einen Startbildschirm.
Freie Erfindung heißt: Es gibt keinen Betrieb, der bestellt, und keine Abteilung, die abnimmt. Es gibt eine Person und einen Einfall, der sich seit Jahren hält. Diese Seite verfolgt einen einzelnen Fall vom ersten Satz bis zu dem Zeichen, das am Ende auf dem Startbildschirm liegt. Der Gegenstand ist dabei austauschbar, die Reihenfolge der Entscheidungen ist es nicht.
01Ausgangslage
Eine Person führt seit Jahren Buch über ihre Bienenvölker. Jedes Volk hat eine Nummer, jeder Besuch am Stand eine Zeile im Heft: Datum, Wetter, was zu sehen war, was getan wurde. Das Heft liegt im Auto, es wird nass, und was darin steht, lässt sich abends am Rechner nicht zusammenrechnen. Fertige Angebote sind vorhanden, sie verlangen aber eine andere Reihenfolge als die, die sich am Stand über Jahre eingespielt hat. Ein Auftrag steht hinter der Sache nicht, nur eine alte Idee. Vor der ersten Zeile Programmtext steht deshalb eine Frage: für wen wird gebaut.
02Die Frage vor dem Bau
| Gebaut für die eine Person | Alles bleibt auf dem Gerät. Keine Anmeldung, kein Konto, keine fremden Daten in Verwahrung. Der Umfang bleibt klein, und der Festpreis bleibt es damit auch. Eine spätere Öffnung für andere ist dann ein zweiter Bau und kein Schalter, den man umlegt. |
| Gebaut für viele, von Anfang an | Konten, ein Server, Sicherungen, Rechte, dazu Regeln für fremde Daten und eine Datenschutzerklärung, die zum Bau passt. Der Weg dauert länger und kostet mehr. Dafür trägt das Ergebnis ab dem ersten Tag mehr als eine Person. |
03Etappen
-
01
Ein Satz, der alles trägt
Zuerst wird die Sache auf einen einzigen Satz gebracht: am Stand in einer halben Minute festhalten, was an einem Volk zu sehen war. Alles Weitere kommt auf eine Warteliste und bleibt dort liegen. In dieser Etappe fällt auch die Entscheidung aus der Frage davor: gebaut wird zunächst für eine Person, alles bleibt auf dem Gerät.
-
02
Die Reihenfolge der Bildschirme
Auf Papier wird festgelegt, was nach dem Öffnen zu sehen ist und wie viele Griffe bis zum gespeicherten Eintrag vergehen. Entschieden wird hier: kein Startbild, kein Menü, die Liste der Völker steht sofort da. Was zwei Bildschirme entfernt liegt, wird am Stand nicht mehr benutzt.
-
03
Der Kern, einmal ganz durch
Gebaut wird zuerst der eine Weg vom Öffnen bis zum gespeicherten Eintrag, in der kürzesten Form, die funktioniert. Entschieden wird, welche Angaben feste Felder bekommen und was freier Text bleibt. Ein Feld weniger auf dem Bildschirm ist am Stand mehr wert als eine Auswertung mehr am Rechner.
-
04
Die Ablage festlegen
Danach wird bestimmt, woraus ein Eintrag besteht und was sich später noch ändern lässt: Zeitpunkt, Volk, feste Felder, freier Text, Bilder. Entschieden wird, dass ein Eintrag nie überschrieben wird; eine Berichtigung wird ein neuer Eintrag. Ohne diese Festlegung wird jede spätere Änderung zu einer Rettungsaktion für alles, was schon erfasst ist.
-
05
Am Stand ausprobieren
Ausprobiert wird dort, wo das Gerät später in der Hand liegt: mit Handschuhen, mit Sonne auf dem Bildschirm, ohne Empfang. Entschieden werden Schriftgröße, Knopfgröße und der Abstand dazwischen, bis die Eingabe mit einer Hand und ohne genaues Hinsehen gelingt. Diese Fehler zeigen sich am Schreibtisch nie.
-
06
Das Zeigbare
Zum Schluss bekommt die Sache einen Namen, ein Zeichen für den Startbildschirm und einen Link, über den sie sich auf jedes Gerät legen lässt. Entschieden wird, was ein Fremder als Erstes sieht, wenn die Idee zum ersten Mal jemandem gezeigt wird. Übergeben werden Quelltext, Zugänge und eine Anleitung zum Weiterbetrieb.
04Die zähe Stelle
Länger als geplant dauert die Übernahme der alten Hefte. Vorgesehen war, die Seiten abzufotografieren und die Handschrift maschinell in Felder zu übertragen. Bei Bleistift, verblasstem Papier und einer Schrift, die sich über Jahre verändert hat, gelingt das in Teilen sicher und in anderen Teilen still daneben. Ein falsches Datum in einem Bestandsbuch ist schlimmer als eine fehlende Zeile, und ob ein Wert falsch gelesen wurde, sieht später niemand mehr. Die Etappe endet deshalb anders, als sie begonnen hat: Die Fotos bleiben als Bilder am Volk hinterlegt und lesbar, die maschinelle Übertragung macht nur noch Vorschläge, und jeder Vorschlag wird von Hand bestätigt, bevor er ein Feld füllt. Diese Trennung gilt seither an jeder Stelle im Bau, an der eine Maschine etwas liest.
05Das fertige Ding
- Zeichen auf dem Startbildschirm. Öffnet ohne Umweg die Liste der Völker.
- Eintrag in wenigen Griffen. Feste Felder, freier Text, Bild.
- Ablage auf dem Gerät. Der Eintrag steht auch ohne Empfang.
- Verlauf je Volk. Jeder Besuch bleibt als eigene Zeile erhalten.
- Bilder der alten Hefte. Jahrgangsweise am jeweiligen Volk hinterlegt.
- Ausgabe als Datei. Der ganze Bestand lässt sich am Rechner öffnen.
- Quelltext und Zugänge. Dazu eine Anleitung zum Weiterbetrieb.
06Übertragbares
Bleibt in jedem Fall dieser Art gleich
- 01Der eine Satz vor dem Bau. Was das Ding kann, wenn alles andere wegfällt.
- 02Für wen zuerst. Diese Entscheidung fällt vor der ersten Zeile, weil sie den ganzen Umfang bestimmt.
- 03Der Kern einmal ganz durch. Ein Weg von Anfang bis Ende, bevor Breite dazukommt.
- 04Ausprobiert am echten Ort. Dort, wo das Gerät später in der Hand liegt.
Weicht von Fall zu Fall ab
- 05Der Gegenstand. Er bestimmt die Felder und die Reihenfolge, den Ablauf des Baus ändert er nicht.
- 06Der Ort der Benutzung. Draußen ohne Empfang verlangt andere Entscheidungen als ein fester Platz am Bildschirm.
- 07Die Zahl der Beteiligten. Sobald eine zweite Person eigene Einträge macht, kommen Konten und Rechte dazu.
- 08Die Herkunft der alten Daten. Papier, Tabelle oder gar nichts entscheidet darüber, welche Etappe die zähe wird.
Anfang eines solchen Falls
Ein Fall dieser Art beginnt mit Ihrer Beschreibung in gewöhnlichen Worten: was das Ding tun soll, wer es öffnet, an welchem Ort es geöffnet wird. Skizzen auf Papier helfen, Fachwörter sind nicht nötig. Dazu gehört, was heute schon vorhanden ist: das Heft, die Tabelle, die Zettel, auch unvollständig und auch unsortiert. Daraus entsteht die Festlegung der einen Sache, und daraus der Festpreis, der feststeht, bevor gearbeitet wird. Im einfachsten Fall steht ein erster benutzbarer Stand nach wenigen Tagen; wie lange es tatsächlich dauert, hängt an der Zahl der Wege, die das Ding beherrschen soll.
Daneben in Anwendungen