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Hildebrandt.AI

Systeme

Aus Eingaben wird
eine Zahl, die stimmt.

Ein Rechner ist die kürzeste Verbindung zwischen einer Frage und einer belastbaren Antwort. Wer Maße, Material und Ausführung eingibt, bekommt einen Preis, ein Angebot und die Liste dessen, was dafür verbaut wird. Damit diese Zahl trägt, muss sie denselben Weg nehmen wie die Zahl, die später auf der Rechnung steht. Der folgende Fall geht diesen Weg einmal ganz durch, von der Lage vor dem Bau bis zu dem, was am Ende dasteht.

01Ausgangslage

Ein Betrieb fertigt nach Maß. Jede Anfrage beginnt mit denselben Rückfragen: Maße, Material, Ausführung, Zubehör, Montage. Der Preis entsteht danach an einem Taschenrechner, in einer Tabelle und aus Erfahrung, je nachdem, wer das Angebot schreibt. Zwei Angebote für dieselbe Ausführung fallen dadurch unterschiedlich aus, und wer den Unterschied später erklären soll, findet den Rechenweg nicht mehr vollständig. Am Telefon dauert die Auskunft über einen Preis so lange, wie das Zusammensuchen der Zuschläge dauert.

02Die Frage vor dem Bau

Zu klären war zuerst, woher der Preis kommt. Der eine Weg legt die Formel in die Seite selbst. Sie rechnet auf dem Gerät des Besuchers, antwortet ohne Wartezeit und kommt ohne Anmeldung aus. Die Folge: Jede Änderung an Materialpreisen, Zuschlägen und Rabattstufen muss an zwei Stellen nachgezogen werden, im Betrieb und in der Seite. Der andere Weg holt jede Zahl aus dem System, in dem die Preise ohnehin gepflegt werden. Der Rechner braucht dafür eine Verbindung und antwortet um den Bruchteil einer Sekunde später. Die Folge: Es gibt genau einen Ort, an dem ein Preis geändert wird, und jede Auskunft nach außen stammt aus demselben Bestand. Entschieden wurde der zweite Weg, weil die angezeigte Zahl und das Angebot, das später daraus wird, dieselbe Quelle haben sollten.

03Etappen

  1. 01

    Den Rechenweg einmal aufschreiben

    Vor jeder Eingabemaske wurde der bestehende Rechenweg vollständig notiert: Grundpreis je Ausführung, Zuschlag je Maßbereich, Materialaufschlag, Montagezeit, Anfahrt. Dabei zeigte sich, welche Zuschläge über die Jahre gewachsen und an keiner Stelle festgehalten waren. Entschieden wurde hier, welche davon in den Rechenweg übernommen werden und welche vorher neu begründet werden müssen.

  2. 02

    Die Preise an eine Stelle holen

    Preise, Zuschläge und Rabattstufen wanderten in eine Datenbank, jeder Satz mit einem Beginn und einem Ende seiner Gültigkeit. Entschieden wurde damit, dass ein Angebot aus dem Vorjahr auch später noch mit den Preisen von damals nachgerechnet werden kann und eine Preiserhöhung alte Vorgänge unberührt lässt.

  3. 03

    Die Abhängigkeiten festlegen

    Manche Kombinationen sind technisch ausgeschlossen, manche nur innerhalb eines bestimmten Maßbereichs möglich, manche verlangen eine zweite Person bei der Montage. Diese Regeln wurden vor der Oberfläche festgelegt, damit die Sperre schon im Rechner greift, bevor etwas in die Fertigung geht.

  4. 04

    Die Eingabe bauen

    Die Maske führt in der Reihenfolge, in der auch am Telefon gefragt wird. Jede Eingabe verändert sofort die Zahl darunter, und eine Auswahl verschwindet, sobald sie durch eine vorherige Eingabe unmöglich geworden ist. Entschieden wurde hier, dass die Summe jederzeit aufklappbar bleibt und ihre Positionen einzeln zeigt.

  5. 05

    Gegen abgeschlossene Aufträge rechnen

    Der Rechenweg wurde mit Aufträgen geprüft, deren Endpreis bereits feststand. Bei jeder Abweichung wurde der Grund dafür gesucht. Ein Teil der Abweichungen ging auf Zuschläge zurück, die im Betrieb niemand mehr begründen konnte; sie wurden neu festgelegt, bevor der Rechner sie weiterverwendete.

  6. 06

    Aus der Zahl ein Angebot und eine Stückliste machen

    Am Ende der Strecke entstehen aus derselben Eingabe ein Angebotsdokument für den Kunden und eine Stückliste für die Fertigung. Beide ziehen ihre Positionen aus derselben Rechnung, damit der zugesagte Preis und der Materialbedarf nicht auseinanderlaufen.

04Die zähe Stelle

Länger als geplant dauerte die dritte Etappe. Die Regeln, welche Kombination herstellbar ist, standen an keiner Stelle geschrieben. Sie steckten in der Erfahrung von zwei Leuten in der Werkstatt, die beim Blick auf ein Maß sagen, dass es so nicht geht. Jede dieser Regeln musste einzeln erfragt, aufgeschrieben und an einem alten Auftrag geprüft werden, und mehrfach widersprachen sich zwei Auskünfte. Übrig blieb eine Gruppe von Fällen, in denen die Antwort vom Zustand des Materials abhängt und vorher niemand sicher sagen kann, ob die Ausführung möglich ist. Diese Fälle rechnet das System bewusst nicht zu Ende. Es nimmt die Anfrage auf, kennzeichnet sie als prüfbedürftig und legt sie einem Menschen vor. Verändert hat diese Etappe die Bauweise des Ganzen: Die Grenze zwischen einem Fall, der durchgerechnet wird, und einem Fall, der in die Werkstatt geht, ist seitdem ein eigener, schriftlich festgelegter Teil des Systems.

05Das fertige Ding

  • Eingabemaske mit Sperren. Ausgeschlossene Kombinationen lassen sich gar nicht erst auswählen.
  • Preisdatenbank mit Gültigkeitsdatum. Jeder Satz gilt ab einem Tag und bis zu einem Tag.
  • Aufklappbare Herleitung. Zu jeder Summe steht offen, aus welchen Positionen sie entsteht.
  • Angebotsdokument zum Herunterladen. Es entsteht aus derselben Rechnung wie die angezeigte Zahl.
  • Stückliste für die Fertigung. Sie nennt Material und Mengen zur gewählten Ausführung.
  • Prüfliste für Sonderfälle. Dort sammeln sich die Anfragen, die eine menschliche Einschätzung brauchen.
  • Protokoll je Vorgang. Eingaben, Ergebnis und Zeitpunkt bleiben nachvollziehbar.

06Übertragbares

  • Eine einzige Quelle für den Preis. Die angezeigte Zahl und das spätere Angebot stammen aus demselben Bestand. Anders liegt der Fall, wenn Preise über Jahre unverändert bleiben; dann darf die Formel auch in der Seite selbst liegen.
  • Ein Gültigkeitsdatum an jedem Satz. Damit bleibt jeder alte Vorgang mit den Preisen seiner Zeit nachrechenbar. Anders liegt der Fall bei Tagespreisen; an die Stelle des Datums tritt dann ein Abruf beim Lieferanten.
  • Die Regeln vor der Oberfläche. Was ausgeschlossen ist, wird festgelegt, bevor die erste Maske entsteht. Anders liegt der Fall bei einem Katalog aus fertigen Varianten, wo die Zahl der Kombinationen von vornherein begrenzt ist.
  • Die Prüfung gegen abgeschlossene Vorgänge. Ein Rechenweg gilt erst als geprüft, wenn er bekannte Ergebnisse trifft. Anders liegt der Fall bei einem neuen Angebot ohne Vergangenheit; dort tritt eine gemeinsam durchgerechnete Handkalkulation an diese Stelle.

Anfang eines solchen Falls

Ein Fall dieser Art beginnt mit dem Rechenweg, der heute benutzt wird, auch wenn er auf einem Zettel steht. Dazu gehören die Preisliste in ihrer aktuellen Fassung, die Zuschläge samt ihrer Herkunft, die Liste dessen, was sich ausschließt, und eine Handvoll abgeschlossener Aufträge mit bekanntem Endpreis. Aus diesen Unterlagen ergibt sich der Umfang und daraus der Festpreis, der vor der Arbeit feststeht. Im einfachsten Fall, bei geordneten Preisen und überschaubaren Ausführungen, steht ein erster rechnender Stand an einem Tag.